Ist Hypnose nur etwas für besonders „beeinflussbare“ Menschen?

von Bettina Rodowski – 03. März 2026

Viele Menschen setzen Suggestibilität und Hypnotisierbarkeit gleich. Doch fachlich betrachtet beschreiben sie zwei unterschiedliche Fähigkeiten – und das macht einen entscheidenden Unterschied.

Hypnotisierbarkeit bezeichnet die Fähigkeit, einen hypnotischen Zustand zu erreichen und die damit verbundenen Phänomene – etwa veränderte Wahrnehmung oder innere Bilder – unterschiedlich intensiv zu erleben.

Suggestibilität hingegen beschreibt die Empfänglichkeit für vermittelte Botschaften und die Fähigkeit, diese innerlich umzusetzen.

Zwei Formen der Suggestibilität
Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Suggestibilität:

Primäre Suggestibilität bezieht sich auf Suggestionen, die der Einleitung und Demonstration von Hypnose dienen. Menschen mit hoher Hypnotisierbarkeit zeigen in der Regel auch eine hohe primäre Suggestibilität – und umgekehrt.
Sekundäre Suggestibilität umfasst weiterführende Anwendungsbereiche wie Autosuggestion, Mentaltraining oder posthypnotische Interventionen.
Studien zeigen, dass etwa 10–20 % der Menschen sehr hohe oder sehr niedrige Werte aufweisen. Die Mehrheit bewegt sich im mittleren Bereich – also weder extrem leicht noch besonders schwer beeinflussbar.

Was sagt die Forschung?
Untersuchungen – unter anderem von Helen Crawford – deuten darauf hin, dass Suggestibilität teilweise neurobiologisch mitbedingt ist.

Bei hoch suggestiblen Personen wurden beispielsweise:

Besonderheiten im Dopaminstoffwechsel
sowie strukturelle Unterschiede im Corpus callosum (dem „Balken“ zwischen den Gehirnhälften)
beschrieben.

Diese Unterschiede könnten mit einer effizienteren Aufmerksamkeitslenkung und Reizregulation zusammenhängen – Fähigkeiten, die auch in hypnotischen Prozessen eine Rolle spielen.

Hypnotisierbarkeit ist keine Willensschwäche
Wichtig: Hypnotisierbarkeit hat nichts mit „Willensschwäche“ zu tun.

Sie wird maßgeblich beeinflusst durch:

- die Qualität des Rapports,
- die therapeutische Beziehung,
- Übung – insbesondere im Bereich der Selbsthypnose,
- die Fähigkeit zur Aufmerksamkeitsfokussierung und kognitiven Flexibilität.

Kurz gesagt:
Hypnose ist kein Zeichen von Kontrollverlust – sondern von gezielter innerer Fokussierung.