Muster die unser Leben bestimmen
von Heika Rogge - Meinen – 12. Februar 2026Manches ist nicht „deins“ – und wirkt trotzdem in dir.
Es gibt Momente, in denen das Leben uns aus dem Funktionieren holt.
Bei mir war es die Krankheit im Frühjahr 2025 – und die Zeit nach der OP.
Ich lag da, körperlich erschöpft, und gleichzeitig war da etwas Unerwartetes:
Erleichterung.
Nicht nur im Körper – auch innerlich.
Und dann kam eine Erkenntnis hoch, wie eine Welle, die lange unter der Oberfläche war:
Ein Muster. Eine Denkstruktur.
Etwas, das über Jahre Einfluss auf mich hatte – ohne dass ich es klar benennen konnte.
Es hatte mit meiner Weiblichkeit zu tun.
Mit meiner Rolle als Frau.
Und mit einer alten inneren Botschaft, die leise, aber dauerhaft mitlief:
„Mach keinen Ärger.“
Oder noch genauer: „Als Mädchen könnte ich Ärger machen.“
Im Austausch und durch Recherche – unter anderem mit einer befreundeten Traumafachberaterin – konnte ich dieses Thema für mich greifen.
Und je klarer es wurde, desto deutlicher zeigte sich:
Das hing eng mit meiner Mutter zusammen. Und damit, wie Töchter wahrgenommen wurden.
Bei uns hatte mein Bruder – gefühlt – einen höheren Stellenwert.
Und als Kind macht das etwas mit dir:
Du lernst, dich anzupassen.
Du lernst, leiser zu sein.
Du lernst, „brav“ zu funktionieren.
Nicht, weil du so bist – sondern weil es sicherer scheint.
Ich habe den Frühling und den Sommer gebraucht, um das wirklich zu akzeptieren.
Nicht um jemanden anzuklagen.
Sondern um zu verstehen, wie tief solche Muster sitzen.
Und wie viel Entlastung darin liegt, wenn man sie endlich beim Namen nennen kann.
Und ja – ich habe meiner Mutter verziehen.
Nicht, weil es „nicht weh getan“ hätte.
Sondern weil ich frei werden wollte.
Es tut weh zu spüren, wie lange man mit so einem Ballast gelebt hat.
Aber genau dieses Hinschauen war der Wendepunkt: nicht gegen sie – für mich.
Vielleicht ist das der Abschluss dieser Reihe:
Rollen sind nicht nur verteilt worden – sie wurden auch vererbt.
Und manchmal ist das Mutigste nicht, stärker zu werden.
Sondern ehrlicher.
Solche Familienfäden sind nicht nur Gedanken.
Sie können zu inneren Blockaden werden: in Beziehungen, im Selbstwert, in der Fähigkeit, wirklich glücklich zu sein.
Und manchmal zeigt auch der Körper, dass etwas zu schwer geworden ist.
Nicht als „Schuld“, sondern als Signal: Da will etwas gesehen und entlastet werden.
Wenn wir Muster verstehen und lösen, kann das spürbar Druck aus dem System nehmen – und das Wohlbefinden stärken.
Manches ist nicht „deins“.
Aber du darfst es in die Hand nehmen.
Und du darfst es sanft zurückgeben.
Frage an dich:
Kennst du ein Muster in deiner Familie, das sich wie ein roter Faden wiederholt?