Wie rede ich eigentlich mit mir, wenn etwas schiefgeht?

von Gudrun Murina – 19. Januar 2026

Es gibt diese Momente im Alltag, die fast niemand bemerkt. Ein Gedanke, der kurz aufblitzt, wenn etwas nicht gelingt., ein innerer Kommentar, kaum hörbar, und doch wirksam. Kein Drama, kein großes Scheitern. Ein kleiner Fehler, eine vergessene Nachricht, ein ungeschickter Satz, ein Plan, der nicht aufgeht.

Und dann passiert etwas Entscheidendes, oft ganz automatisch. Ich beginne, mit mir zu sprechen.

Manchmal ist es nur ein inneres Augenrollen, manchmal ein hartes Urteil. „Wie blöd kann man sein.“ „Typisch.“ „Schon wieder.“ es sind kurze Stiche und trotzdem verändern sie etwas. Nicht das Geschehene – sondern meine Haltung mir selbst gegenüber.

Ich finde es spannend, diesen inneren Ton einmal ernst zu nehmen, nicht um ihn sofort zu verändern, sondern um ihn überhaupt wahrzunehmen. Wie klingt er, wenn ich etwas falsch gemacht habe? Ist da Verständnis? Nachsicht? Oder eher Druck, Ungeduld, Abwertung?

Was mich daran berührt: Dieser innere Dialog läuft oft unbeobachtet, als wäre er selbstverständlich. Als wäre es normal, sich selbst härter zu behandeln als andere, dabei würde ich so mit einem Menschen, der mir nahesteht, oft ganz anders sprechen. Ich würde erklären, einordnen, relativieren. Ich würde sehen, was trotzdem gelungen ist.

Mit mir selbst bin ich häufig knapper, strenger und meist ungerechter.

Ich kenne auch die andere Seite, in denen ich merke: Ja, das ist nicht gut gelaufen und gleichzeitig: Es sagt nichts Grundsätzliches über mich. Dann fühlt sich der innere Raum weiter an. Fehler bleiben Fehler, doch sie bekommen einen Platz, der mich nicht kleiner macht.

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem es interessant wird. Nicht die Frage, ob ich Fehler mache – die mache ich ohnehin. Sondern die Frage, was innerlich folgt. Ob ich mir selbst den Boden entziehe oder ob ich stehenbleiben kann, ohne mich zu zerlegen.

Diese Art von Selbstgespräch hat viel mit Beziehung zu tun. Mit der Beziehung zu mir selbst und sie wirkt weiter, als man denkt. Sie beeinflusst, wie sicher ich mich fühle, wie mutig ich bleibe, wie leicht oder schwer mir Veränderung fällt.

Manchmal reicht es schon, diesen inneren Ton einmal zu hören, ohne ihn sofort korrigieren zu wollen. Einfach wahrnehmen, wie ich mit mir rede, wenn niemand sonst hinhört.