Rollen im Leben

von Heika Rogge - Meinen – 29. Januar 2026

Rollen sind nicht Schicksal. Rollen sind wählbar.

Manchmal fühlen sich Beziehungen, Familie und Alltag an wie ein stiller Vertrag.
Einer, den niemand unterschrieben hat – und den trotzdem viele leben.

Denn mit jeder Rolle kommt eine Erwartung:
Wenn du „Tochter“ bist, sollst du loyal sein.
Wenn du „Mutter“ bist, sollst du alles im Blick haben.
Wenn du „Partnerin“ bist, sollst du tragen, halten, ausgleichen.
Und wenn du gut funktionieren kannst, wird genau das oft zur Norm.

Viele Rollen übernehmen wir, ohne darüber nachzudenken.
Weil wir sie im Elternhaus gesehen haben.
Weil es „so war“.
Weil es selbstverständlich schien.

Gerade bei Frauen 50+ ist das häufig spürbar:
Wir sind mit einem Rollenbild groß geworden, in dem Care-Arbeit einfach „mitlief“.
Haushalt, Organisation, emotionale Arbeit, Kinder, Termine, Stimmung im System – oft wie unsichtbare Fäden.
Und wenn Männer sich beteiligen, heißt es manchmal:
„Wie toll, dass er dir hilft.“

Und ganz ehrlich:
Er hilft nicht. Er trägt mit.
Es ist auch sein Zuhause. Auch seine Kinder. Auch sein Leben.

Das ist kein Männer-Bashing. Und auch kein Eltern-Bashing.
Unsere Eltern haben mit dem Wissen ihrer Zeit gelebt.
Und viele Frauen haben früher Unglaubliches getragen – oft sogar noch mehr, als man heute sehen will.
Aber wir leben heute. Und das Heute stellt neue Fragen.

Denn Rollen sind nicht nur Aufgaben. Rollen sind oft auch innere Aufträge:
„Sei stark.“
„Sei lieb.“
„Mach keinen Ärger.“
„Halt die Familie zusammen.“
Und irgendwann merkt man: Diese Aufträge kosten Kraft.
Manchmal auch Selbstwert. Manchmal Freude. Manchmal Gesundheit.

Der entscheidende Punkt ist nicht, ob du Mutter sein willst, Partnerin, Hausfrau, Karrierefrau oder alles zusammen.
Der entscheidende Punkt ist: Kommst du in deinen Rollen selbst noch vor?

Drei Fragen zur Selbstklärung – klar, alltagstauglich, ohne Drama:

Welche Rolle lebst du, ohne sie bewusst gewählt zu haben?
Welche Erwartungen hängen daran – von außen oder von dir selbst?
Wie würdest du diese Rolle heute neu definieren, damit sie dir auch gut tut?
Du musst nicht alles hinschmeißen, um dich zu verändern.
Manchmal beginnt Veränderung leise:
Mit einem Satz. Einer Grenze. Einer neuen Vereinbarung.
Mit dem Mut, nicht mehr automatisch zu funktionieren.

Frage an dich:
Welche Rolle möchtest du neu schreiben – und welche Erwartung darf dabei leiser werden?

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