Manche Begegnungen beginnen schon mit Spannung.

von Friederike von Corratio – 21. Januar 2026

Noch bevor ein Wort fällt. Noch bevor etwas passiert. Manchmal reicht der Gedanke an das Gespräch. Du kennst das vielleicht. Du gehst auf jemanden zu, und innerlich ist etwas enger als sonst. Nicht dramatisch. Eher subtil. Viele deuten das schnell. Als Antipathie. Als schwierige Beziehung. Oder als etwas, das man professionell ignorieren sollte.

Psychologisch betrachtet ist diese Spannung oft ein Frühzeichen. Dein Nervensystem registriert etwas, lange bevor Dein Verstand es einordnen kann. Unter Dauerlast werden diese Signale feiner. Der innere Spielraum kleiner.

Was früher neutral war, fühlt sich plötzlich fordernd an. Ich begegne diesen Momenten häufig. Und ich kenne sie auch aus meiner eigenen Geschichte. Nicht als Ausnahme, sondern als Teil professioneller Wirklichkeit.

Der ungeliebte Patient, das schwierige Gespräch, sie beginnen selten im Kontakt. Sie beginnen im Zustand, aus dem heraus wir in den Kontakt gehen. Professionalität heißt hier nicht, die Spannung zu übergehen. Sondern sie wahrzunehmen, ohne ihr sofort eine Bedeutung zu geben. Denn nicht jede Spannung will gelöst werden. Manche wollen nur gesehen werden.

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