Erkenntnis ist der Anfang.

von Heika Rogge - Meinen – 22. Januar 2026

Erkenntnis ist der Anfang. Akzeptanz ist der Boden. Veränderung ist der Weg – der Weg zur Heilung.

Manchmal ist es nicht das Leben, das uns erschöpft.
Sondern die alten inneren Programme, die anspringen, sobald es eng wird.

Wir schauen heute oft auf unsere Kindheit mit dem Wissen von heute.
Und ja – damit ist es leicht, Erziehung zu bewerten oder sogar zu verurteilen.
Aber: Das ist selten zielführend. Und es heilt nichts.

Unsere Eltern haben uns mit dem Wissen ihrer Zeit erzogen.
Mit dem, was sie kannten. Mit dem, was sie selbst erlebt haben.
Gerade Krieg- und Nachkriegsgenerationen mussten oft lernen:
Funktionieren ist Sicherheit. Gefühle sind gefährlich.

Das heißt nicht: „Alles war gut.“
Aber es heißt: Verstehen öffnet Türen – Anklage schließt sie.

Ich bin dafür ein gutes Beispiel:
Meine Eltern waren Jahrgang 1922 und 1929.
Und trotzdem gab es bei uns emotionale Nähe – mehr, als man es für diese Jahrgänge oft erwartet.
Viele ihrer Werte tragen mich bis heute.

Und dennoch kenne ich diese alten Muster:
Dieses schnelle „Ich bin schuld.“
Dieses „Ich bin nicht genug.“
Dieses Gefühl, nur über Leistung wertvoll zu sein.
Und ja – ich bin oft mein härtester Kritiker.
Perfektion ist dann kein Charakterzug. Perfektion ist manchmal Schutz.

Viele Frauen 50+ tragen genau dieses Paket – leise, tapfer, täglich:
➡️ Schuldgefühl, wenn sie Grenzen setzen
➡️ Anpassung, um Harmonie zu halten
➡️ Leistung, um endlich „genug“ zu sein
➡️ Strenge gegen sich selbst, statt Mitgefühl

Und dann kommt der Wendepunkt:
Du kannst die Vergangenheit nicht ändern.
Aber du kannst deine Beziehung zu dir selbst verändern.

Denn der Blick zurück kostet Energie – und der Blick nach vorn manchmal auch.
Das Leben geschieht im Hier und Jetzt.
Und genau dort beginnt Veränderung.

Erkenntnis ist der Anfang. Akzeptanz ist der Boden. Veränderung ist der Weg – der Weg zur Heilung.

Drei Fragen, die dich sofort in Bewegung bringen – ohne Drama:

In welchen Momenten suchst du reflexartig die Schuld bei dir?
Welcher Satz aus deiner Kindheit läuft dann im Hintergrund?
Was wäre heute ein liebevoller, erwachsener Gegensatz dazu?
Vielleicht ist das heute deine mutigste Entscheidung:
Nicht noch mehr leisten.
Sondern dir eine gute Freundin zu werden.
So mit dir zu sprechen, wie du mit einem Menschen sprechen würdest, den du liebst.

Frauen 50+ sind oft an einem Punkt, an dem Veränderung unausweichlich wird.
Nicht als Strafe. Sondern als Einladung.
Wir dürfen wachsen – sanft, klar, ehrlich.

Frage an dich:
Wo bist du zu streng mit dir – obwohl du eigentlich Mitgefühl bräuchtest?