Die Wege zu einem Psychotherapieplatz – So finden Sie Unterstützung

von Marika Böwe – 19. Februar 2026

Einen Psychotherapieplatz zu finden, ist für viele Menschen eine Herausforderung. Vielleicht haben Sie bereits mehrere Praxen kontaktiert und Absagen erhalten oder lange Wartezeiten genannt bekommen. Diese Situation ist belastend – gerade dann, wenn Sie dringend Unterstützung benötigen.

In diesem Beitrag erfahren Sie strukturiert und verständlich, welche Wege es zu einem Psychotherapieplatz gibt, welche Optionen gesetzlich Versicherte haben und wie Sie Ihre Chancen erhöhen können.

1. Der klassische Weg: Kassenzugelassene Psychotherapeut:innen
Wenn Sie gesetzlich versichert sind, ist der erste Weg in der Regel eine kassenzugelassene Praxis. Diese Therapeut:innen rechnen direkt mit Ihrer Krankenkasse ab.

So gehen Sie vor:
Recherchieren Sie über die Terminservicestelle (116117) oder Online-Portale.
Kontaktieren Sie mehrere Praxen telefonisch oder per Kontaktformular.
Dokumentieren Sie Absagen und Wartezeiten.
Wichtig: Die Nachfrage ist hoch. Wartezeiten von mehreren Monaten sind leider keine Seltenheit.

2. Die psychotherapeutische Sprechstunde
Seit einigen Jahren ist vor Beginn einer Richtlinientherapie eine sogenannte psychotherapeutische Sprechstunde vorgesehen. Hier wird geprüft:

Liegt eine behandlungsbedürftige psychische Störung vor?
Wie dringend ist eine Behandlung?
Welche Therapieform ist geeignet?
Diese Sprechstunde können Sie ebenfalls über die Terminservicestelle 116117 erhalten.

3. Das Kostenerstattungsverfahren – Therapie trotz fehlendem Kassenplatz
Wenn Sie keinen zeitnahen Platz in einer kassenzugelassenen Praxis finden, kann das Kostenerstattungsverfahren eine Option sein.

Dabei übernimmt Ihre gesetzliche Krankenkasse die Kosten für eine Behandlung in einer Privatpraxis – unter bestimmten Voraussetzungen.

Voraussetzungen sind in der Regel:

Nachweis mehrerer erfolgloser Kontaktversuche bei Kassentherapeut:innen
Festgestellte Behandlungsbedürftigkeit
Unzumutbar lange Wartezeiten
Antragstellung bei der Krankenkasse
Dieses Verfahren ist gesetzlich geregelt und kann eine realistische Alternative darstellen, wenn dringender Behandlungsbedarf besteht.

4. Privatpraxis für Psychotherapie
Eine weitere Möglichkeit ist die Behandlung in einer Privatpraxis für Psychotherapie.

Diese Option eignet sich für:

Privatversicherte und Beihilfeberechtigte
Selbstzahler:innen
gesetzlich Versicherte im Kostenerstattungsverfahren
Vorteile können sein:

Kürzere Wartezeiten
Klare Terminstruktur
Spezialisierte Angebote (z. B. Trauma, Sucht, Trauer, Depression)
Gerade wenn Symptome zunehmen oder der Leidensdruck hoch ist, kann eine zeitnahe Behandlung entscheidend sein.

5. Klinik oder Tagesklinik bei akuter Belastung
Wenn Sie sich in einer schweren Krise befinden – beispielsweise bei starker depressiver Symptomatik, Suizidgedanken oder massiver Traumafolgesymptomatik – kann auch eine stationäre oder teilstationäre Behandlung sinnvoll sein.

In akuten Notfällen wenden Sie sich bitte an:

den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117)
die Notrufnummer 112
die nächste psychiatrische Notaufnahme

6. Wartezeit sinnvoll nutzen
Falls sich eine Wartezeit nicht vermeiden lässt, können Sie dennoch aktiv bleiben:

Psychoedukative Informationen einholen
Selbsthilfegruppen nutzen
Beratungsangebote wahrnehmen
Erste Stabilisierungstechniken erlernen
Unterstützende Gespräche im Umfeld suchen
Das ersetzt keine Therapie – kann aber stabilisieren.

7. Häufige Fragen zum Psychotherapieplatz
Wie viele Therapeut:innen sollte ich kontaktieren?
Es empfiehlt sich, mehrere Praxen (oft 5–10) zu kontaktieren und die Rückmeldungen zu dokumentieren.

Wie lange dauert es durchschnittlich?
Das variiert regional stark. In vielen Regionen Deutschlands sind Wartezeiten von mehreren Monaten üblich.

Muss ich zuerst zum Hausarzt?
Ein ärztlicher Besuch ist nicht zwingend erforderlich, kann aber bei bestimmten Fragestellungen sinnvoll sein.

Fazit: Es gibt mehrere Wege zu einem Psychotherapieplatz
Auch wenn die Suche frustrierend sein kann: Sie sind nicht ohne Optionen. Neben kassenzugelassenen Praxen gibt es das Kostenerstattungsverfahren und Privatpraxen als Alternativen.

Wichtig ist, strukturiert vorzugehen, dokumentiert zu handeln und sich bei Bedarf Unterstützung bei der Antragstellung zu holen.

Wenn Sie unsicher sind, welcher Weg in Ihrer Situation sinnvoll ist, lassen Sie sich beraten. Der erste Schritt zur Unterstützung beginnt oft mit einer klaren Information.


 
 

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